Da nützt auch kein Beten, diese Welt besteht weiter. Da können sich Isolation noch so bemühen und ihre Gelüste in die Welt hinaus brüllen. Obwohl sie eigentlich erhört werden müssen. Denn erstens schreit Herr Schmid mit genug Nachdruck in die Welt hinaus und zweitens wäre es schade, wenn "A Prayer For the World To End" in die stille Versenkung enteilt.
Ein wenig bescheiden sind die 3(4) Nordlichter noch, denn man siedelt die eigene Musik im "Niemandsland zwischen depressiven Black Metal und Doom" an. Kann ich so nicht stehen lassen. Natürlich erschafft man durch die teilweise wabernden Saitenausgeburten eine verdammt dunkle, doomige Atmosphäre, und logisch ist die musikalische Ausrichtung nicht lebenserhellend und die markdurchfahrenden Schreie von J. Schmid tun nun wirklich ihr übriges, um einen beklemmenden Grundtenor zu erschaffen; aber Niemandsland? Nein, wirklich nicht.
Aber wieso nicht? Wieso sind Isolation keine 08/15-Band, wie es sie zuhauf gibt, und alle schicken sich um dem depressiven Black Metal neues Leben einzuhauchen. Wieso sind Isolation anders und wieso, verdammt noch mal, kann man ihr musikalisches Werk vollkommen ernst nehmen? Diese Fragen lassen sich ganz einfach beantworten, in dem man diese zweite Demo hört. Es handelt sich hier nicht um pubertären schlechte-Noten-Frust, oder Gejammer, weil man noch nicht ficken konnte. Nein, und da liegt das Übel vergraben, hier bekommt man erwachsene, durchdachte Musik geboten! Das ist der große Unterschied auf dieser leidigen Depressivwelle. Man gibt sich lange nicht damit zufrieden ein paar karge, graue Klanglandschaften zu erschaffen und ein paar "kranke Vocals" rüberfegen zu lassen.
Meines Erachtens liegt die Stärke von "A Prayer For The World To End" im Gegensatz. Einerseits versucht man den Hörer mit dunklen, langsamen Gitarrenklängen geradezu einzulullen, ihn auf negative Weise zum Entspannen zu zwingen und dann kommt der Schmid rein und brüllt ihn in die Ecke. Das gelingt auch außerordentlich gut. Die schon mehrmals erwähnten hohen Vocals ließen mir einen Namen sofort in den Kopf springen; Nattramn! Okay, ich muss mich ein klein wenig verbessern, er klingt nicht wirklich so wie der kaputte Schwede, aber die Besessenheit, die Hingabe in den Schreien, ja, all das hat in Hinblick auf diesen Vergleich immer noch Bestand.
Unterstützt wird er durch den Bassisten K. Sagebiel, welcher immer wieder sein tiefes Organ einbringt und so letztendlich diese (mit-)prägende schizophrene Atmosphäre noch verstärkt. Doch halt, wieso nur verstärkt? Wo kommt die denn her? Vom Zusammenspiel des Gesangs mit den Instrumenten, meine Damen und Herren. Gerade bei "The nameless and the unnamable" spielen die Instrumente eher hoffnungsschwangere Musik, anstatt dem Gesang in all seiner Verzweiflung Rückendeckung zu geben. Ob das letztendlich wirklich so gewollt ist, vermag ich gar nicht zu sagen, aber es ist gelungen. Hoffnung gehört für mich zu einer nicht zu verachtenden Zutat, wenn man depressive, beklemmende Musik erschaffen will. Das macht es doch erst aus! Solch Musik entsteht doch nicht in einem absolut schwarzen Strudel, sie will Dich doch erst da hinbringen. Und wenn diese nicht vollends scheitern will und auch bei ernsthaften Hörern punkten möchte, dann hat man gefälligst Alternativen zu bieten, so subtil diese auch sein mögen.
Subtil ist das Schlagzeug übrigens gar nicht, wie man das von dieser Spielart meist erwartet. Schön! Es drängt sich zwar nicht wirklich auf, aber sorgt für eine wohltuende Dichte im Sound. Und ja, hey, hier gibt es einen richtigen Schlagzeuger. Und nicht nur das. Isolation erdreisteten sich ein Studio aufzusuchen um so einen ordentlichen Sound zu erhalten. Dies ist gelungen. Anders würde dieser dunkle Moloch auch gar nicht funktionieren. Da muss ordentlich Bums hinterstecken.
Als kleinen Gegenpol zur Gitarrenmusik ließ man noch ein wenig ambiente Töne einfließen, was ein durchaus rundes Bild ergibt.
Aber Bild... Bild, Bild, Bilder. Nein, das fehlt der Musik; sie erschafft keine Bilder, oder ich bin zu blind. Das ist von meiner Seite auch der einzige Kritikpunkt. Ansonsten Daumen hoch für diese Veröffentlichung. Und die Gestaltung ist ebenfalls gelungen. Geschmackvoll und nicht zu viel.
Und wie viel müsst ihr bezahlen? 6 Euro plus Versandkosten.
D.